Quelle: Süddeutsche Zeitung, 22. April 2006
Aufregender Arbeitsalltag
Wie kleine und große Firmen das Projekt "Lichtblick Hasenbergl" unterstützen
Für Millionen Menschen ist es völlig normal, morgens aufzustehen, sich ordentlich anzuziehen und pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Im Job schluckt man die Launen des Chefs und flippt auch nicht gleich aus, wenn Kunden glauben, sich tatsächlich wie Könige behandeln lassen zu müssen. Für die Jugendlichen, die von "Lichtblick Hasenbergl" betreut werden, hingegen ist so ein Alltagspensum nur schwer zu bewältigen. Die Mädchen und Jungen wachsen in sozial schwachen Familien im Münchner Norden auf und haben soziale Kompetenz nicht gelernt. Jetzt haben sie zumindest eine Perspektive.
Oft gibt es in den Familien keinen Vater, der einen Berufsalltag vorlebt, vielfach sind die Eltern arbeitslos, und auch Alkohol und Gewalt sind immer wieder ein Problem. In der Schule, die nur sehr bedingt helfen kann, bleiben die Kinder schließlich hinter den anderen zurück. Als Einrichtung der katholischen Jugendfürsorge versucht das Projekt Lichtblick seit nun zehn Jahren, den Kreislauf von sozialer Benachteiligung zu durchbrechen und derzeit 70 Kindern einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Die Sechs- bis 17Jährigen kommen nach der Schule in die Einrichtung, essen zu Mittag und bekommen Hilfe bei den Hausaufgaben. Ein entscheidender Schritt in ihrer Entwicklung ist dann der Einblick ins Berufsleben. Einige Münchner Firmen und Geschäfte unterstützen das Projekt und bieten den Mädchen und Jungen Praktika an. Thonuni, 14 Jahre alt, und Jasmin, 17 , befanden sich am Donnerstag und Freitag in einer völlig anderen Welt: im Schuhhaus Ed Meier in der Residenzstraße. 30 andere Jugendliche arbeiteten bei Dallmayr, sahen sich in der BMWNiederlassung um, schweißten in einem Hydraulik-Betrieb oder halfen in einem Blumenhaus in der Fasanerie. "Am Ende leuchteten ihre Augen, weil sie so viel erlebt haben", berichtet Lichtblick-Leiterin Johanna Hofmeir.
Die Sozialpädagogin und ihr Kollege Matthias Schneider haben zuvor über Wochen versucht, den Schülern die Furcht vor dem Praktikum zu nehmen. Bei einem Bewerbungstraining geschieht das, und ganz besonders hilft BMW dabei: Das Unternehmen schickte gleich eine ganze Reihe seiner Auszubildenden zu Lichtblick, damit sie den Jugendlichen von Grund auf einen Computer erklären. Trotz aller Vorbereitungen: "Vor dem Praktikum hatten viele Angst davor, dass etwas nicht klappt. Sie haben aber durchgehalten und damit einen wichtigen Schritt getan", sagt Schneider. Ein Mädchen, das bei Dallmayr beschäftigt war, ist sogar ermuntert worden, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben.
Auch für die Familien, in denen die Kinder aufwachsen, können sich durch diese ersten Erfahrungen mit dem Berufsleben indirekt Impulse ergeben. "Die Eltern reagieren durchaus positiv auf die Praktika ihrer Kinder. Auch wenn sie selbst vielleicht nicht berufstätig sind, wünschen sie sich doch, dass es ihren Kindern einmal besser geht", sagt Johanna Hofmeir. Natürlich sei es für die Jugendlichen schwierig, das in einer Firma oder einem Geschäft Erlebte unter einen Hut zu bekommen mit dem Elternhaus, wo der Alltag ganz anders ablaufe. "Handlungsflexibilität" zu erlernen, wie es die Sozialpädagogen nennen, sei aber letztlich das Ziel des Projekts.
Konkret erlebt haben Thommi und Jasmin im Schuhhaus Meier, wie Sthimpfe sorgfältig in Regale geschichtet werden oder wie man sich in einem riesigen Schuhlager anhand von Nummern zurechtfindet. Die beiden trugen blaue Kittel, wie andere Angestellte auch, und fühlten sich in der Gemeinschaft sichtlich wohl. "Wir waren überrascht, wie engagiert und lernbegierig sie sind", sagt Brigitte Meier. Thommi und Jasmin, die auch schon bei Dallmayr Praktikantin war, wollen nach Möglichkeit einmal im Einzelhandel anfangen. Der Bub mag aber, wie viele Gleichaltrige aus so genannten normalen Familien auch, lieber in ein "Sportgeschäft".
Firmen, die das Projekt unterstützen wollen, können sich unter www.lichtblickhasenbergl.de informieren und sich dann unter lichtblick@kjf-muenchen.de oder Telefon 0891314 16 34 melden.
Den vollständigen Artikel finden Sie auf den Seiten der Katholischen Jugendfürsorge oder unter "Aufregender Arbeitsalltag"

