Quelle: Tina, 30. November 2005
Im Problembezirk München-Hasenbergl arbeiten Sozialpädagogen und Ehrenamtliche in einem besonderen Projekt
Ein Lichtblick für arme Kinder
1,7 Millionen Kinder in Deutschland leben unter der Armutsgrenze. Das Projekt „Lichtblick Hasenbergl“ kann nur einigen von ihnen helfen. Aber das tun die 16 Mitarbeiter mit viel Liebe und Engagement. In Kochkursen, Job-Praktika und mit Nachhilfe wollen sie die Kinder fit machen für ihr späteres Leben
Lara* (9) sticht mit einer Herz-Form den Mürbeteig aus. „Nachher gibts Plätzchen“, freut sie sich. Im Nebenzimmer liest Lucas* (11) einen Text auf Englisch vor. Zwischendurch korrigiert Rentnerin Jo Scherner (70, früher Sekretärin) seine Aussprache: „Nicht 't'. sonder 'th'. Am besten, du nimmst die Zunge hinter die Schneidezähne, so klappts.“ Auf dem Hof zeigt Rentner Jürgen Nestel (71, früher Physiker) Kindern, wie sie einen Fahrradschlauch reparieren.
Backen. Hausaufgaben machen, etwas Praktisches fürs Leben lernen - hier im Freizeitzentrum „Lichtblick Hasenbergl“ im Münchner Norden kriegen Kinder nachmittags nach der Schule Hilfen, Anleitungen und eine Betreuung, die ihnen ihre Eltern nicht bieten können. Das "Hasenbergl" ist ein Problembezirk: Überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit, viele Frauen sind allein erziehend, es gibt Armut. Wie bei der Familie mit drei Kindern, deren Vater einen Schlaganfall erlitt. Die Familie ist jetzt verschuldet.
Armut, wie sie in Deutschland immer häufiger vorkommt: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Sozialhilfe bekommen, ist extrem gestiegen: Im Dezember 2004 waren es 1,1 Mio., im August 2005 schon 1.7 Mio., so der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband. Das heißt: Jedes siebte Kind in DeutschIand ist betroffen, kriegt nur 200 Euro pro Monat. Claudia Keul vom Deutschen Kinderhilfswerk: „Wir unterstützen mit Spendengeldern Projekte, die diese Kinder fördern, wie hier im ‚Hasenbergl’.“
„Lichtblick“-Leiterin Johanna Hofmeir (40): „Vor allem die allein erziehenden Mütter sind mit ihrer Lebenssituation oft überfordert: Sie brauchen ihren Job, viele müssen bis in die Abendstunden arbeiten. Da bleibt kaum Zeit für Hausaufgaben, zum gemeinsamen Lernen. Andere Eltern sind arbeitslos, können aber keine Schulsachen und schon gar keine Freizeitkurse wie Basteln oder einen Museumsbesuch bezahlen. Oft reicht das Geld nicht für gesundes Essen mit frischem Obst und Gemüse!“
60 Kinder und Jugendliche, 6- bis 17-Jährige, werden in fünf Gruppen von elf Pädagogen, fünf Praktikanten („Freiwilliges Soziales Jahr") und zehn ehrenamtlichen Helfern im „Lichtblick Hasenbergl“ betreut. Montags bis freitags, 11 bis 18 Uhr.
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